9. April – Tag der Befreiung
Am 9. April 1945 befreiten US-amerikanische Soldaten das Jugend-KZ Moringen. Im KZ befanden sich zu diesem Zeitpunkt nur noch kranke Häftlinge. Die meisten Inhaftierten wurden am 6. April auf einen „Evakuierungsmarsch“ in Richtung Harz geschickt. Der Evakuierungsmarsch teilte sich in verschiedene Gruppen. Ein Großteil der Jugendlichen wurde am 10. April in einer Scheune in Abbenrode (Sachsen-Anhalt) von den SS-Bewachern zurückgelassen. Ein Massaker wie an anderen Orten fand nicht statt, die Jugendlichen der Hauptgruppe wurden von amerikanischen Soldaten mit Papieren ausgestattet und traten auf eigene Faust ihren Heimweg durch Europa an.
Seit 2022 feiern wir den 9. April als „Tag der Befreiung“ mit einem Gedenkgottesdienst in der Liebfrauenkirche Moringen, auch wenn die meisten Jugendlichen ihre Befreiung erst einen Tag später erlebten. Historischer Zufall ist es, dass der 9. April zugleich der Todestag von Dietrich Bonhoeffer ist. Sein Gedicht „Von guten Mächten“ hat daher einen festen Platz im Gottesdienst.
Der Gottesdienst ist sich der besonderen historischen Verantwortung bewusst, dass die Frauen, Männer und Jugendlichen keinen Schutz durch die evangelische Kirche vor Ort erfuhren. Niemand setzte sich in Moringen für sie ein, obwohl die Häftlinge täglich auf dem Fußweg zur Zwangsarbeit durch die Stadt marschierten. Unser Gottesdienst ist also vor allem ein Erinnern an das Scheitern einer Gesellschaft, die in der Mitte einer Kleinstadt quälte, prügelte und mordete. Indem sich die Kirchengemeinde seit 1979 für die Aufarbeitung der KZ-Geschichte stark machte, haben wir dennoch Verantwortung für die Zukunft übernommen. Der 9. April ist als Erinnerungsdatum ambivalent zu betrachten, dennoch versuchen wir seit 2022, diesen Tag in der Stadtgesellschaft zu etablieren. Fällt der 9. April auf einen Ostersonntag, legen wir Blumen im kleinen Kreis nieder.