Ev.-luth. Trinitatis-Kirchengemeinde Leine-Weper

Moringen, Fredelsloh, Espol, Großenrode, Schnedinghausen, Lutterbeck, Oldenrode und Nienhagen

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An(ge)dacht

Schwach und doch stark!

Von Geburt an hieß er Saulus, und das war immerhin ein israelischer Königsname! Aber als er sein Leben änderte, da nannte er sich Paulus. Das ist griechisch und bedeutet: „Der Kleine“. Da denkt man vielleicht, dieser Mann hätte gerade endgültig und für immer resigniert, so im Sinne von: „Aus mir wird ja doch nichts. Ich bin ein ganz Kleiner und Schwacher“. Aber so war es nicht. Sondern Paulus war ein Starker, und trotzdem wusste er, dass ihm seine ganze Stärke nichts geholfen hatte. Denn er war ein starker Anführer eines Soldatentrupps gewesen, war mit harter Hand gegen die Christen vorgegangen. Die waren ja schwach und wehrlos. Irgendwann war er wieder mit einem Trupp unterwegs, aber vor den Toren von Damaskus traf es ihn aus heiterem Himmel – wie ein Blitz und wie eine Stimme: „Saul, Saul, was verfolgst Du mich?“ Und ihn, den Starken, warf es um. Von da an wollte er nur noch „Paulus“ genannt werden: „Der Kleine“, der dem wahrhaft Großen begegnet ist, nämlich Christus. Und der sich jetzt in den Dienst von diesem Jesus stellte – als ein Kleiner, nicht mehr als Starker.

So beschreibt die Apostelgeschichte es in dramatischen Worten. Klingt das unglaubwürdig? Wenn wir keine weitere Bestätigung dafür hätten, dann wäre es vielleicht unglaubwürdig. Aber: Paulus bestätigt sein Damaskus-Erlebnis später selbst in seinen Briefen. Und die Weltgeschichte, die von da an einen anderen Lauf zu nehmen begann, bestätigt es nochmal auf ihre Weise. Denn unbestreitbare Tatsache ist, dass mit diesem „kleinen Paulus“ die weltweite Geschichte der Christenheit begann: Die Gründung der ersten christlichen Gemeinden in Griechenland, Italien, der Türkei, vielleicht sogar in Spanien. 250 Jahre nach Paulus ließ sich dann sogar der römische Kaiser Konstantin auf diesen christlichen Glauben taufen.

Die Jahreslosung der christlichen Kirchen für 2012 lautet: „Jesus Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. – „Komisch“, denkt man erstmal, „das klingt doch widersprüchlich?“ Ja, mag sein. Aber die Erfahrung der Christenheit ist es immer wieder gewesen: Der Schwache, hinter dem Christus steht, der setzt sich durch – und nicht der Starke, der anscheinend die Macht in Händen hält. Das war bei Paulus so, das war bei Luther so – und bei Jesus selber auch. Das war bei Bonhoeffer so und auch bei Martin Luther King. Das war bei den Friedensgebeten in Leipzig 1989 so. Und das wird sich immer wieder zeigen: Durch wen wirkt Christus am stärksten und am besten? Durch die anscheinend „Kleinen und Schwachen“, die wissen, dass Christus hinter ihnen steht.

Dirk Grundmann

 Jedes Jahr hat seinen Zentner Last

Das ist ein bisschen seltsam formuliert. Stellen wir es uns mal so vor: Wer arbeiten geht, der hat das Jahr hindurch unendlich viele einzelne Aufgaben abzuarbeiten. Wer Kinder hat, der tut das Jahr hindurch unendlich viele kleine und große Dinge für sie. Und wer alt ist, hat vielleicht nicht mehr so viele Aufgaben zu erledigen. Aber er muss dennoch eine Menge Anstrengung und Willenskraft aufbringen, um seinen Alltag zu bewältigen.

Das meine ich damit, wenn ich sagte „jedes Jahr hat seinen Zentner Last“. Das meiste von diesen Lasten, diesen Arbeiten, diesen Aufgabenstellungen arbeiten wir kontinuierlich weg, von Tag zu Tag, von Monat zu Monat. Laufend kommen neue Aufgaben hinzu, aber im etwa gleichen Maß arbeiten wir sie auch wieder ab.
Vor dem Sommerurlaub ist es vielen so gegangen: Es kam noch ein Pfund drauf und noch eins, und mit Hochdruck hat man eins nach dem anderen weg gearbeitet. Um dann – halbwegs befreit – in die Erholungswochen abzutauchen.

Und nun geht der Sommer zur Neige, die Freiheit des Urlaubs ist vorbei, und die neuen Aufgaben-Lasten rollen wieder auf uns zu. Und beim ersten Auftauchen aus den Urlaubswochen hat man
fast das Gefühl, als würde die neue Arbeitswelle einen fast überrollen. „Jedes Jahr hat seinen Zentner Last, und jetzt geht’s wieder los“. Der erste Schultag nach den Sommerferien war für mich immer der schwerste Tag des Jahres …

Eins merkt man im Laufe der Jahre: Dass die gefühlte Last größer wird. Vielleicht sind meine Aufgaben nicht schwieriger als früher, aber sie drücken mich mehr. Vielleicht ist es sogar nicht mal mehr „ein Zentner“, den ich das Jahr hindurch abarbeiten muss, aber trotzdem fühlt es sich an wie ein Doppelzentner. Das war früher doch anders?! Vor 20 Jahren, da fühlte es sich gar nicht so schwer an: Mit jugendlichem Optimismus sind wir an die großen Aufgaben des Lebens gegangen.

Vielleicht ist es wirklich so, dass unsere Seele, unser Innerstes im Laufe der Jahrzehnte eine gewisse Müdigkeit ansammelt: Vor den immer neu aufgelegten Zentnern, die wir immer auf´s neue bewältigen sollen. Umso mehr hätten wir dann allen Grund, uns den Satz von Jesus vor Augen zu führen: „Kommt her zu mir, alle, die Ihr mühselig und beladen seid. Ich will Euch erfrischen“.
Aber diesen Satz nicht nur einmal lesen. Sondern ihn nach ganz vorn in den eigenen Kopf hinein nehmen und von Tag zu Tag, von Woche zu Woche langsam herausfinden, wie dieser Satz mir helfen kann: Um mit den „Zentnern an Lasten“ besser klar zu kommen. Um Wege zu finden, wie unser wirkliches Leben wieder spürbar erfrischt werden kann.

Dirk Grundmann

Dicht bei Gott und weit weg von den Mäusen

Ein Schloss in Schottland. Es hat viele prachtvolle Räume. In einem steht eine mächtige Kommode. Mit sieben breiten Schubkästen übereinander.

Der Schlossführer erklärt: „Das Besondere an dieser Kommode ist: Für jeden Tag der Woche gibt es eine Schublade.“ Es ist eine Kommode für Kleidung – für
jeden Tag. Ganz unten ist der Montag, ganz oben der Sonntag. Dort liegen die besten Sachen. „Dicht bei Gott – und weit weg von den Mäusen“, erzählt der Schlossführer lachend.

Ich kann mir das gut vorstellen. Dicht bei Gott – ganz oben, da liegen die Sachen, die mir wichtig sind. Und unten, in der untersten Schublade, da liegt alles, auf
das es mir nicht so ankommt. Ab damit! Ganz nach unten, weil ich mich danach nicht so oft bücken muss. Oder möchte. Plötzlich ist mir klar, woher der Ausdruck
kommt: Ab in die unterste Schublade. Und natürlich kommen die schönsten Dinge oben hinein, immer griffbereit – und dichter bei Gott als die anderen.

Ich habe dann überlegt, was ist mir wichtig? Was würde ich in die „oberste Schublade“ legen? Ich glaube, ich würde dort zum Beispiel „Zeit“ hineinlegen.
Zeit für mich, Zeit für Menschen, die mir wichtig sind – und Zeit für Gott. Jetzt ein bestimmtes Buch lesen. Und nicht erst, wenn ich in Rente bin. Freunde
besuchen. Jetzt, trotz der vielen Arbeit, nicht später irgendwann. Jetzt wieder einmal in die Kirche gehen. Und nicht erst im Urlaub.
Also das tun, was mir wichtig ist und mir gut tut – mir und meiner Seele. Es ist so leicht, alles zu verschieben, auf später, auf irgendwann, weit weg. Auf
die Zeit, wenn ich Zeit habe. Auf die Zeit im Urlaub, auf die Ruhe am Wochenende. Jesus hat einmal gesagt: „Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz“. Das
fordert mich, zu entscheiden: Was ist mir wichtig? Was macht das Leben lebenswert? Was gehört für mich in die oberste Schublade?

Da bin ich ins Grübeln gekommen. Was liegt eigentlich bei mir darin? Und was liegt für mich nicht darin – und warum?
Das war dann schon interessant, als ich darüber nachgedacht habe. In Ruhe, jetzt, nicht irgendwann.

Was liegt denn eigentlich bei Ihnen in der obersten Schublade: Dicht bei Gott und weit weg von den Mäusen?

Eine spannende Entdeckungstour in Ihrer Kommode mit den sieben Schubladen wünscht Ihnen

Pastor Peter Büttner